Zurück zum Blog
BehandlungsartenAktualisiert Juli 2026

Krankengymnastik am Gerät (KGG): Was ist das und wann hilft es?

„KGG" steht auf vielen Physio-Rezepten – doch was genau verbirgt sich dahinter, und unterscheidet es sich von klassischer Krankengymnastik? Dieser Ratgeber erklärt verständlich, für wen sich Krankengymnastik am Gerät eignet, wie eine Behandlung abläuft, welche Geräte zum Einsatz kommen und was Sie an Kosten einplanen müssen.

13 Min. LesezeitPreise Stand Juli 2026
Patient bei Krankengymnastik am Gerät (KGG) im Trainingsraum einer Physiotherapiepraxis

1. Was ist Krankengymnastik am Gerät (KGG)?

Krankengymnastik am Gerät, kurz KGG, ist eine ärztlich verordnete physiotherapeutische Behandlung, bei der gezieltes Krafttraining an medizinischen Trainingsgeräten im Mittelpunkt steht. Anders als der Name vermuten lässt, geht es nicht um ein normales Fitnessstudio-Training, sondern um ein therapeutisch begleitetes Übungsprogramm, das exakt auf Ihre Diagnose, Ihren Trainingszustand und Ihr Belastungslimit abgestimmt ist.

Im Zentrum steht der Aufbau von Muskelkraft, Stabilität und Beweglichkeit – häufig als Anschlussbehandlung nach einer Operation, bei chronischen Beschwerden am Bewegungsapparat oder zur Vorbeugung erneuter Beschwerden. Eine Physiotherapeutin oder ein Physiotherapeut erstellt dafür einen individuellen Trainingsplan, führt Sie in die richtige Ausführung ein und passt Gewichte, Wiederholungen und Übungsauswahl im Verlauf der Therapie laufend an.

Der Begriff KGG ist eine offizielle Heilmittelposition aus dem Heilmittelkatalog der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und wird von Ärzten explizit so verordnet – Sie erkennen die Behandlung also direkt am Kürzel auf Ihrem Rezept.

2. Für wen eignet sich KGG? Indikationen im Überblick

KGG wird bei einer Vielzahl orthopädischer und neurologischer Beschwerden verordnet – immer dann, wenn gezielter Muskelaufbau und aktives Training den Heilungsprozess unterstützen. Die häufigsten Anwendungsgebiete im Überblick:

BereichTypische Beispiele
WirbelsäuleBandscheibenvorfall, chronische Rückenschmerzen, Skoliose, Spinalkanalstenose
Nach OperationenKnie-TEP, Hüft-TEP, Bandscheiben-OP, Kreuzband-OP, Schulter-OP
GelenkeArthrose (Knie, Hüfte, Schulter), Instabilitäten, chronische Gelenkbeschwerden
MuskulaturMuskuläre Dysbalancen, allgemeine Schwäche, Haltungsschwäche
Prävention/RehaRückenschule, Sturzprophylaxe bei Senioren, Wiederaufbau nach Immobilisation

Besonders häufig wird KGG in der Reha-Phase nach Operationen eingesetzt, etwa nach dem Einsetzen eines künstlichen Knie- oder Hüftgelenks. Aber auch ohne Operation profitieren Menschen mit chronischen Rückenschmerzen, Bandscheibenproblemen oder wiederkehrenden Gelenkbeschwerden von einem strukturierten Krafttraining, da starke Muskulatur die Gelenke entlastet und stabilisiert.

3. Ablauf einer KGG-Behandlung: Schritt für Schritt

Eine KGG-Einheit dauert in der Regel 60 Minuten und folgt einem klaren Aufbau, der Ihnen Sicherheit gibt und den Trainingserfolg maximiert:

Erstgespräch und Befund

Beim ersten Termin erhebt die Therapeutin oder der Therapeut einen ausführlichen Befund: Bewegungsausmaß, Kraftgrade, Schmerzpunkte und Ihre persönlichen Ziele werden erfasst. Auf dieser Basis entsteht ein individueller Trainingsplan mit passenden Geräten, Gewichten und Wiederholungszahlen.

Aufwärmen

Zu Beginn jeder Sitzung steht ein kurzes, sanftes Aufwärmen – häufig auf dem Fahrrad- oder Armergometer –, um die Muskulatur zu aktivieren und das Verletzungsrisiko zu senken.

Trainingsdurchgang an den Geräten

Anschließend folgt das eigentliche Training an zwei bis fünf ausgewählten Geräten. Die Therapeutin oder der Therapeut korrigiert Ihre Ausführung, kontrolliert Belastung und Bewegungsqualität und passt Widerstände bei Bedarf sofort an.

Verlaufskontrolle und Steigerung

Über die Behandlungsserie hinweg wird die Belastung schrittweise gesteigert. So passt sich das Training kontinuierlich Ihrem Fortschritt an – Über- und Unterforderung werden vermieden.

Abschluss und Übungsempfehlungen

Zum Ende der Serie erhalten Sie häufig Übungen für zu Hause, damit die erzielten Fortschritte langfristig erhalten bleiben.

4. Die Geräte im Detail: Was steht in der Praxis?

Praxen mit KGG-Zulassung verfügen über einen eigenen Trainingsraum mit medizinischen Geräten, die speziell für die Rehabilitation konzipiert sind – mit feiner Gewichtsabstufung und geführten Bewegungsbahnen für maximale Sicherheit.

GerätTrainingszielTypischer Einsatz
Zugapparat / SeilzugKräftigung einzelner Muskelgruppen mit variablem WiderstandRückenmuskulatur, Schultergürtel
BeinpresseAufbau der Bein- und Gesäßmuskulatur, StabilitätNach Knie-/Hüft-OP
Therapiekreisel / WackelbrettVerbesserung von Gleichgewicht und PropriozeptionNach Bänderverletzungen, Sturzprophylaxe
LatissimuszugKräftigung des oberen Rückens und der SchulternHaltungsschwäche, Schulterprobleme
Ergometer (Rad/Arm)Aufwärmen, Ausdauer, sanfte MobilisationEinstieg in die Behandlung
Redondo-Ball, Theraband, PezziballErgänzende Kräftigung und Koordination ohne feste GeräteRumpfstabilität, Tiefenmuskulatur

Welche Geräte konkret zum Einsatz kommen, hängt von Ihrer Diagnose und den betroffenen Körperregionen ab. Bei Rückenbeschwerden liegt der Schwerpunkt meist auf Zugapparaten und Rumpfstabilisation, nach Knie-Operationen stehen Beinpresse und Koordinationsgeräte im Vordergrund.

Kein Fitnessstudio-Training

Auch wenn die Geräte an ein Fitnessstudio erinnern: KGG findet immer unter direkter therapeutischer Kontrolle statt. Übungsausführung, Belastung und Fortschritt werden engmaschig überwacht und dokumentiert – das unterscheidet KGG grundlegend von einem freien Krafttraining.

5. KGG vs. klassische Krankengymnastik (KG): Die Unterschiede

Viele Patienten fragen sich, ob sie KG oder KGG benötigen. Beide Verfahren ergänzen sich, verfolgen aber unterschiedliche Schwerpunkte:

MerkmalKrankengymnastik (KG)KG am Gerät (KGG)
Dauer pro Sitzung20 Minuten60 Minuten
SettingEinzelbehandlung, meist auf der LiegeTrainingsraum mit Geräten, oft kleine Gruppe möglich
FokusManuelle Mobilisation, gezielte ÜbungenAktives Krafttraining, Ausdauer, Koordination
BetreuungDurchgehend 1:1Therapeut betreut mehrere Patienten parallel
Typischer EinsatzAkute Schmerzen, ErstbehandlungAufbauphase, Reha, Prävention

In der Praxis werden beide Verfahren häufig kombiniert: Nach einer akuten Phase mit klassischer KG zur Schmerzlinderung und Mobilisation folgt eine Aufbauphase mit KGG, um die erzielten Fortschritte durch gezielten Muskelaufbau dauerhaft zu sichern.

6. Kosten und Zuzahlung: Was zahlt die Kasse?

Bei ärztlicher Verordnung übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) den Kassensatz für KGG – Sie zahlen lediglich die gesetzliche Zuzahlung von 10 %der Behandlungskosten pro Sitzung sowie einmalig 10 € Rezeptgebühr pro Verordnung. Privat Versicherte erhalten je nach Tarif meist 80–100 % erstattet.

PositionBetrag
Kassensatz (GKV) pro Sitzungca. 47,30 €
Ihre Zuzahlung (10 % pro Sitzung)ca. 4,73 €
Einmalige Rezeptgebühr10,00 €
Selbstzahler-Preis pro Sitzungca. 40–70 €
Typische Serie (6 Einheiten, GKV)ca. 38,38 € Eigenanteil

Werte gerundet nach GKV-Vergütungsvereinbarung 2026. Selbstzahler-Preise als Richtwerte, regionale Abweichungen möglich.

Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sind von der Zuzahlung vollständig befreit. Wer die gesetzliche Belastungsgrenze von 2 % des Bruttoeinkommens (1 % bei chronischer Erkrankung) überschreitet, kann bei der Krankenkasse eine Zuzahlungsbefreiung beantragen. Ausführliche Details zu allen Kassensätzen, Selbstzahler-Preisen und Sparmöglichkeiten finden Sie in unserem ausführlichen Kosten-Ratgeber zur Physiotherapie.

7. Rezept und Verordnung: Was muss draufstehen?

KGG wird von Ärztinnen und Ärzten – meist Orthopäden, Hausärzten oder Chirurgen – auf einem Heilmittelrezept verordnet. Damit die Praxis korrekt abrechnen kann, muss das Rezept bestimmte Angaben enthalten:

  • Heilmittel: „Krankengymnastik am Gerät" bzw. das Kürzel „KGG"
  • Diagnose und Diagnosegruppe (z. B. WS2 für Bandscheibenprobleme)
  • Anzahl der Behandlungseinheiten (Erst- oder Folgeverordnung)
  • Behandlungsfrequenz, z. B. „1–2x pro Woche"
  • Ggf. der Vermerk „Therapiebericht", wenn der Arzt eine Rückmeldung wünscht

Wichtig: Auch für KGG gilt die 28-Tage-Frist – der erste Termin muss innerhalb von 28 Kalendertagen nach Ausstellung des Rezepts stattfinden, sonst verfällt die Verordnung und ein neues Rezept ist erforderlich.

8. Wie oft und wie lange? Frequenz und Behandlungsdauer

Behandlungsfrequenz

In der Regel 1–2 Termine pro Woche, damit sich die Muskulatur zwischen den Einheiten erholen und anpassen kann.

Serienlänge

Meist 6 Einheiten pro Erst- oder Folgeverordnung, insgesamt bis zu 18 Einheiten je nach Diagnose ohne besondere Genehmigung.

Sitzungsdauer

60 Minuten pro Termin – deutlich länger als klassische Krankengymnastik mit 20 Minuten.

Bei chronischen Erkrankungen wie neurologischen Beeinträchtigungen oder wiederkehrenden Rückenproblemen kann der Arzt eine Langfristverordnung ausstellen. Damit entfällt der wiederholte Gang zum Arzt für ein neues Rezept, und die Therapie kann kontinuierlich fortgesetzt werden.

9. Vorteile und mögliche Grenzen von KGG

Vorteile

  • Nachhaltiger Muskelaufbau, der Gelenke langfristig entlastet und stabilisiert
  • Individuelle Anpassung von Gewicht und Übungen an Ihren Fortschritt
  • Längere Behandlungszeit (60 Min.) für ein umfassenderes Trainingsprogramm
  • Häufig in kleinen Gruppen, was zusätzlich motivieren kann
  • Gute Vorbereitung auf die Rückkehr in Alltag, Beruf oder Sport

Mögliche Grenzen

  • Bei akuten, starken Schmerzen ist zunächst oft klassische KG oder Manuelle Therapie sinnvoller
  • Erfordert aktive Mitarbeit – reine passive Anwendungen sind nicht Teil von KGG
  • Nicht alle Praxen verfügen über einen eigenen Geräteraum mit KGG-Zulassung

Ihr Arzt oder Ihre Therapeutin entscheidet anhand Ihres Befunds, ob KGG von Anfang an geeignet ist oder ob zunächst eine andere Behandlungsform vorgeschaltet werden sollte.

10. Tipps für den Behandlungserfolg

1

Bequeme Sportkleidung tragen

Da KGG aktives Training bedeutet, sind bewegliche Kleidung und feste Schuhe wichtig für eine sichere Ausführung.

2

Regelmäßig teilnehmen

Der Trainingseffekt entsteht durch Kontinuität. Vermeiden Sie größere Lücken zwischen den Terminen.

3

Hausübungen ernst nehmen

Empfohlene Übungen für zuhause verstärken den Effekt der Praxistermine erheblich.

4

Offen über Schmerzen sprechen

Melden Sie Schmerzen oder Unsicherheiten sofort, damit Gewichte und Übungen angepasst werden können.

5

Geduld mitbringen

Muskelaufbau braucht Zeit – spürbare Fortschritte zeigen sich meist erst nach mehreren Wochen.

6

Rezept frühzeitig einlösen

Buchen Sie Ihren ersten Termin innerhalb der 28-Tage-Frist, um keine Verordnung zu verlieren.

11. FAQ – Häufige Fragen zu KGG

Was bedeutet die Abkürzung KGG?

KGG steht für „Krankengymnastik am Gerät" – eine offizielle Heilmittelposition für therapeutisch begleitetes Krafttraining an medizinischen Trainingsgeräten.

Tut KGG weh?

Ein moderates Muskelziehen nach dem Training ist normal, akute Schmerzen während der Übungen dagegen nicht. Sprechen Sie Beschwerden immer sofort an, damit die Belastung angepasst werden kann.

Kann ich KGG auch ohne Operation bekommen?

Ja. KGG wird auch bei chronischen Rückenschmerzen, Arthrose oder muskulären Dysbalancen verordnet – eine vorangegangene Operation ist keine Voraussetzung.

Wie viele Geräte werden pro Sitzung genutzt?

Üblich sind zwei bis fünf Geräte pro Einheit, abhängig vom individuellen Trainingsplan und der zur Verfügung stehenden Zeit von 60 Minuten.

Brauche ich für KGG spezielle Sportkleidung?

Bequeme, bewegliche Kleidung sowie feste Sportschuhe werden empfohlen, damit alle Übungen sicher und korrekt ausgeführt werden können.

Was passiert, wenn ich einen Termin verpasse?

Sagen Sie frühzeitig ab, damit der Platz anderweitig vergeben werden kann. Häufige Ausfälle können die verordnete Serie verzögern oder deren Wirksamkeit mindern.

12. Fazit: Für wen lohnt sich KGG?

Krankengymnastik am Gerät ist die richtige Wahl, wenn Sie nach einer Operation, bei chronischen Rücken- oder Gelenkbeschwerden oder zur allgemeinen Kräftigung aktiv an Ihrer Genesung mitarbeiten möchten. Die 60-minütige, gerätegestützte Behandlung sorgt für nachhaltigen Muskelaufbau, verbesserte Stabilität und mehr Sicherheit im Alltag – deutlich über den Effekt kurzer Einzelübungen hinaus.

Ob KGG für Ihre individuelle Situation die passende Behandlungsform ist oder besser mit klassischer Krankengymnastik kombiniert wird, entscheidet Ihr Arzt gemeinsam mit der behandelnden Praxis anhand Ihres Befunds. Mit einer gültigen Verordnung, regelmäßiger Teilnahme und etwas Geduld lassen sich mit KGG spürbare und dauerhafte Erfolge erzielen.

Nächster Schritt: Sprechen Sie Ihren Arzt auf eine KGG-Verordnung an und buchen Sie anschließend zeitnah einen Termin in einer Praxis mit eigenem Trainingsraum und Kassenzulassung.

Praxis mit KGG-Angebot finden und online buchen

Finden Sie Physiotherapiepraxen mit Kassenzulassung und eigenem Trainingsraum für Krankengymnastik am Gerät – mit echten Bewertungen und direkter Online-Terminbuchung.

Krankengymnastik am GerätKGGPhysiotherapieRehabilitationKräftigungRezeptZuzahlungKosten

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt nicht die individuelle ärztliche oder physiotherapeutische Beratung. Bei akuten oder unklaren Beschwerden konsultieren Sie Ihren behandelnden Arzt. Praxis in Ihrer Nähe finden

Hinweis gemäß EU AI Act: Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz erstellt und vor Veröffentlichung von der Redaktion geprüft.